"Herr, lehre uns beten"
Das war die Bitte der Jünger an Jesus (Lk. 11, 1), nachdem sie offensichtlich eine intensive Gebetszeit mit Ihrem Herrn hinter sich hatten. Sie merkten: Wenn Jesus betet, ist etwas anders. Da geht was ab. Da passiert etwas.
Wenn man sich heute umschaut, kann man auch feststellen, dass die hohe Kunst des Gebets sogar bei manch einem Christen verloren gegangen ist. Auch wir müssen heute wieder bitten: Herr, lehre uns beten!
Nicht so sehr der Ort ist entscheidend, wo gebetet wird, sondern vielmehr das Wann, das Wie und natürlich ganz besonders das Was!
Die erste Frage nach dem Wann ist schnell beantwortet. In der Bibel steht: Betet ohne Unterlass! Die Apostelgeschichte sagt: Die ersten Christen blieben beständig in allen Arten von Gebeten (Apg. 2, 42). Im NT lesen wir an vielen Stellen: Hört nicht auf zu beten! Das heißt mit anderen Worten: Wann immer es geht, sollen wir im Gespräch mit Gott verbunden sein. Ob du dich danach fühlst - oder nicht. Ob es passend ist - oder nicht. Jederzeit kann Gebet, das Reden mit Gott, eine Option für dich sein.
Die zweite Frage ist schon etwas schwieriger. Wie sollen wir beten? Paulus hat intensiv darüber gesprochen und im Prinzip für jeden Nachfolger Jesu Christi zwei Arten des Gebets in den Vordergrund geschoben. Die eine Art kennen die meisten Christen. Die Rede ist vom Beten mit dem Verstand (vgl. 1. Kor. 14, 15b). Hierbei werden mit der Hilfe unseres Intellektes, unseres Aufnahmevermögens, unseres Wissens und Verstandes Worte zu Gott formuliert, die wir in diesem Augenblick als richtig, passend und angebracht empfinden.
Eine andere Art des Gebets ist bei weitem noch nicht bei allen Christen angekommen. Die Rede ist vom Beten im Geist (1. Kor. 14, 15a). Hierbei - und das betont Paulus ausdrücklich - bleibt unser Verstand/Intellekt unbeteiligt, d.h. er trägt nichts dazu bei. Im Gegenteil. Es betet unser Geist in einer Sprache, die uns der Heilige Geist eingibt, und die wir mit unserem Mund dann aussprechen. Paulus drückt es ganz klar und unmissverständlich so aus: "Denn wenn ich in einer Zungensprache bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer". Dieses Beten im Geist, in Neuen Sprachen, ist so unglaublich effektiv und wirksam, dass Paulus von sich selber sagt, dass er mehr in Zungen betete als alle anderen Korinther zusammen. Das muss man sich einmal vorstellen. Was für ein Affront gegen die Heilige Schrift, das Neue Testament, den Heiligen Geist und den Apostel Paulus, wenn Menschen heute behaupten, das Beten in Neuen Sprachen sei nicht wichtig oder gar unangebracht.
Wir sehen also, dass zwei wichtige und nicht gegeneinander auszuspielende Arten des Gebets unseren Kontakt mit Gott aufrechterhalten. Das Beten im Geist spielt dabei deswegen eine ganz große Rolle, weil wir oft nicht wissen, was und wie wir beten sollen und uns einfach die Worte in unserer Muttersprache fehlen. Deswegen vertritt uns der Heilige Geist dabei mit unaussprechlichen Seufzern (vgl. Röm. 8, 26).
Nun bleibt noch die Frage, was wir beten sollen. Manche Menschen machen sich Gebetslisten, andere beten Gebete der Bibel nach, wieder andere haben einen liturgischen Ablauf in ihren Gebeten und wieder andere glauben an ganz freies, geistgeleitetes Gebet. Ich glaube, dass alle Arten eine Berechtigung haben, weil wir sie alle in der Bibel finden. Es ist z.B. enorm hilfreich, und das betont die Heilige Schrift immer wieder, wenn wir zunächst mit Lobpreis, Anbetung und Danksagung zu Gott kommen. Das kann im Geist oder im Verstand geschehen. Es öffnet das Herz für die positive Beziehung zu Gott, für eine erwartungsvolle Glaubenshaltung und für eine angemessene, ehrfurchtsvolle Haltung.
Darüber hinaus kann man sich ganau so z.B. am 'Vaterunser' orientieren, in dem uns von Jesus sieben große Schwerpunkte des Gebets genannt werden. Andere werden eher von der Tagesaktualität, von einer großen Not oder einem wunderschönen Erlebnis inspiriert beten.
Eine weitere Möglichkeit ist es, ganze Psalmen zu beten, die in schriftlicher Form in der Bibel vorliegen. Genauso besteht die Möglichkeit, die Paulinischen Gebete in den neutestamentlichen Lehrbriefen zu beten und sie auf unsere Zeit, auf konkrete Situationen und Menschen anzuwenden. Auch dies ist eine ganz starke Sache.
Wenn man gemeinsam betet (Hauskirche, Gottesdienst, Gebetsgruppe), dann kann man sich auf bestimmte Themen einigen, die man gemeinsam durchbetet. Sehr hilfreich wird die gegenseitige Ergänzung bei dieser Art von Gebet sein.
Andere wiederum lieben es, anhand von Gebetskalendern, bestimmten Themen, etc. ihre Gebetszeiten zu gestalten. Auch das ist voll in Ordnung, wenn dabei der Heilige Geist die Kontrolle haben darf, sonst wird es schnell langweilig und öde.
Aber auch hier, bei den Gebetsinhalten, spielt das Gebet im Geist eine wesentliche Rolle. Der Apostel Paulus schreibt im Römerbrief (Röm. 8, 26) mit großer Ehrlichkeit und Demut: "Denn wir wissen ja oft nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt ...". Das schreibt einer der größten Apostel aller Zeiten. Ihm ging es genauso wie dir und mir. Oft weiß man einfach nicht, welche Gebetsanliegen gerade dran sind. Und da hilft das Gebet im Geist, in Neuen Sprachen, auf ganz enorme Art und Weise. Ich persönlich wüsste heute gar nicht mehr, wie ich effektiv beten könnte, wenn nicht dieses Reden in Neuen Sprachen als Geschenk Gottes in meiner eigenen Schwachheit eine unendlich starke Hilfe wäre.
Natürlich gibt uns die Heilige Schrift eine Unzahl konkreter Gebetsanliegen, für die wir immer wieder beten sollen: z.B. für Arbeiter in der Ernte, um Heiligung, dass wir nicht in Versuchung geführt werden, dass wir von bösen Menschen befreit werden, dass der Heilige Geist uns neu erfüllt, usw.
Nie hat die Welt um uns herum unser Gebet mehr gebraucht als gerade jetzt! Nie war die Welt so abhängig von unseren Gebeten! Nie gab es so viel Verlorenheit, Orientierungslosigkeit und Hoffnungslosigkeit wie gerade jetzt bei Milliarden von Menschen. Deine und meine Gebete, inspiriert vom Heiligen Geist, machen einen gewaltigen Unterschied.
Und wenn wir dann noch zusammenkommen und übereinstimmen im Gebet, welche gewaltigen Verheißungen Gottes werden dann freigesetzt: "Wo zwei oder drei übereinstimmen, irgend eine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen gegeben werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist" (Mt. 18, 19).
Ich wünsche uns allen von ganzem Herzen erfrischende, inspirierte und gesalbte Gebetszeiten. Wenn du noch nicht in einem guten Gebetsfluss bist (... das ist keine Schande), dann schließe dich einer Gebetsgruppe, vielleicht früh am Morgen, an, mach mit im Gebet in deiner Hauskirche und in den Gottesdiensten und lass dich immer wieder neu inspirieren, deine Stimme zu deinem Gott zu erheben!
Er ist Hörer deiner Gebete! (Ps. 65, 3)